Die stillgelegte Siemensbahn: Auf Stahlviadukten durch Berlin


In Berlin führt eine stillgelegte S-Bahn-Strecke in luftiger Höhe durch den Stadtteil Siemensstadt. Wagemutige finden in der „Siemensbahn“ ein kleines Abenteuer. Zumindest noch, denn in wenigen Jahren sollen wieder Züge auf den Schienen fahren.

Gartenfeld, Siemensstadt und Wernerwerk – an diesen Stationen hielt einst die Berliner Siemensbahn. Der 4,5 Kilometer lange S-Bahn-Abschnitt wurde errichtet, um das Siemens-Werkgelände besser anzubinden. Seit 1980 vegetiert die stillgelegte Strecke mit ihren Brücken und Stationen vor sich hin. Das Betreten ist verboten, doch dürften Generationen junger Berliner die Anlage bereits besichtigt haben. In den vergangenen Jahren kamen zusätzlich Menschen auf der Suche nach Lost Places, Fotografen und Graffiti-Sprayer.

Der Zugang fällt nicht besonders schwer. Trotzdem gilt es aufzupassen. Die Siemensbahn ist teilweise eine Viaduktbahn. Sprich: Ihre Gleise liegen auf Stahlbrücken, die sich durch Werkgelände und Wohnsiedlungen schlängeln. Wer sich allzu leichtsinnig benimmt, kann leicht in die Tiefe stürzen.

Die Idee für die Siemensbahn basiert auf dem Interesse von Siemens, seine Arbeiter schneller zum Werk zu bringen. Der Konzern errichtete 1905 deshalb sogar einen eigenen Bahnhof ein. Die Station „Fürstenbrunn“, so der Name, lag jedoch noch immer zu weit abseits. Im Jahr 1925 einigten sich der Konzern und die Reichsbahn auf den neuen S-Bahn-Abschnitt. Siemens sicherte das Gelände zu, finanzierte die Strecke und die Bahnhöfe. Die Reichsbahn übernahm den Betrieb.

Nach zweijähriger Bauzeit fuhr am 18. Dezember 1929 der erste Zug. Der Streckenstumpf zweigte am Bahnhof „Jungfernheide“ vom S-Bahn-Ring ab. Nordwestlich führten die Gleise über die Spree und zum Bahnhof „Wernerwerk“. Nach einer weiten Kurve in westlicher Richtung wartete bereits die Station „Siemensbahn“. Anschließend fuhren die Züge ebenerdig weiter bis zur Endstation „Gartenfeld“.

In der Anfangszeit der Siemensbahn fuhren die S-Bahnen zwischen „Jungfernheide“ und „Neukölln“ bzw. „Papestraße“ durch – immerhin im Fünf-Minuten-Takt. Unter den Fahrgästen waren damals hauptsächlich Siemens-Mitarbeiter auf der Weg zu ihrer Schicht oder wieder zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke stark beschädigt, darunter die Brücke über die Spree. Nur ein Gleis blieb übrig. Darauf verkehrten zwischen 1945 und 1948 nachts zusätzlich Güterzüge. Erst 1956 wurde der zweigleisige Betrieb wieder aufgenommen. Allerdings brach die Zahl der Fahrgäste ein, weil Siemens seinen Sitz nach München verlegt hatte. Nach dem Reichsbahnerstreik in West-Berlin 1980 wurde der Streckenstumpf nicht mehr bedient.

Seitdem verfällt und verwildert die Strecke, die nur wenig erhalten wird. Für einen Teil der Strecke gilt seit 1995 der Denkmalschutz. Im Jahr 2007 verweigerte der Berliner Senat, dass das Bahngelände freigegeben wird. Seit 2018 unterstützen Siemens und der Berliner Senat eine Reaktivierung der Siemensbahn. Eine Verlängerung der Strecke ist im Gespräch. Man verspricht sich einen besseren Anschluss der Stadtteile in der Umgebung und von Spandau. Inzwischen laufen die Vorplanungen. Der Siemensbahn könnte also eine unerwartete zweite Blüte bevorstehen.


Bewertung

Erlebnis: ★★★★★

Atmosphäre: ★★★☆☆

Geschichtsfaktor: ★★★☆☆

Landschaft: ☆☆☆☆☆

Abgeschiedenheit: ★★☆☆☆

Abenteuer: ★★★☆☆


Besichtigung

Achtung: Die Siemensbahn liegt auf Privatgelände. Der Zutritt ist verboten, das Areal abgesperrt und eingezäunt. Offensichtlich wird die Strecke trotzdem regelmäßig besucht, davon zeugen zahlreiche Löcher im Zaun sowie darin verschwindende Jugendliche vor Ort. Eine Besichtigung wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Strecke: –

Dauer: –

Kondition: –

Schwierigkeit: –

Gefahren: Die Anlage ist nicht gesichert und seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Ein Sturz von einer der Brücken kann tödlich enden.

Beste Jahreszeit: –



Wegbeschreibung

Anreise: Berlin, U7-Stationen „Siemensdamm“ oder „Rohrdamm“

Start und Ziel: –

Weg: –

Hinweise: –


Weitere Informationen

Stand: 23.7.2020

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