Ein Mann rückte den Nonnenfelsen mit Hacke und Spaten auf die Pelle


Auf die Nonnenfelsen im Zittauer Gebirge führen in den Stein geschlagene Gänge und Brücken. Von den Gipfeln haben Besucher eine tolle Aussicht. Dass dies möglich ist, ist dem Willen eines einzigen Mannes zu verdanken.

Am Rand von Jonsdorf erhebt sich eine bizarr geformte Steinwand 100 Meter in die Höhe: die Nonnenfelsen. Seit hunderten Jahren belebt die Formation aus Quarzsandstein die Fantasie der Menschen. Manche sahen in den Umrissen Nonnen. Ein Mythos besagt angeblich, dass zwei Nonnen, die sich ineinander verliebten, zur Strafe in Stein verwandelt wurden. Als der sächsische Schriftsteller Christian August Pescheck im Jahr 1791 erstmals die Felsen beschrieb, hielt er fest: „Man sieht (…) zwey Nonnen dicht nebeneinander mit Schleyer und Habit.“

Im Jahr 1846 setzte sich der Jonsdorfer Kammstricker Johann Friedrich Seidel in den Kopf, die Gipfel der Nonnenfelsen zugänglich zu machen. Damals waren sie nur unter schweren Umständen erreichbar. Mit Hacke und Spaten machte sich Seidel allein ans Werk. Er klopfte Gassen und Gänge in den Stein, baute erste Brücken und Hinweisschilder. Möglich war dies nur durch die finanzielle unterstützt eines örtlichen Müllers, der dem Vorhaben zugetan war.

Königlicher Besuch

Das Resultat der Arbeit nutzte 1850 der sächsische König Friedrich August, der den neu errichteten Aussichtspunkt besuchte. Ihm zu Ehren wurde anschließend eine Gedenktafel installiert.

1858 führte der Weber Karl Gotthelf Buttig die Arbeit von Seidel fort. Er legte weitere Zugänge und Wege an. Dabei entstand das heutige, große Besucherplateau in Gipfelnähe. Bereits während der Arbeiten wurde Buttig immer wieder von Besuchern gefragt, wo man sich verpflegen könne. Dies brachte ihn auf die Idee, eine Gaststätte zu eröffnen. 1860 eröffnete er eine Bergbaude.

Schuss mit der Kanone

Erneut königlichen Besuch erhielten die Nonnenfelsen im Jahr 1888. Der sächsische König Albert, der sich für die Auerjagd in der Gegend aufhielt, bestieg den Felsen. Eine weitere Gedenktafel wurde angebracht. Auch sie ist heute noch zu sehen.

Nach einem Brand 1902 wurde die Berggaststätte neu errichtet. Auf die damaligen Besucher wartete eine besondere Attraktion: Gegen ein Entgeld konnte ein Kanonenschuss mit siebenfachem Echo ausgelöst werden.

Heutzutage zählen die Nonnenfelsen zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeit im Zittauer Gebirge. Von den bizarr geformten Felsen erstreckt sich ein weiter Ausblick auf die Landschaft.


Bewertung

Erlebnis: ★★★☆☆

Atmosphäre: ★★☆☆☆

Geschichtsfaktor: ★☆☆☆☆

Landschaft: ★★★★★

Abgeschiedenheit: ☆☆☆☆☆

Abenteuer: ☆☆☆☆☆


Besichtigung

Hier wird ein Rundweg beschrieben:

Strecke: 1,8 Kilometer

Dauer: 60 Minuten

Kondition: keine

Schwierigkeit: keine

Gefahren: keine

Beste Jahreszeit: immer



Wegbeschreibung

Anreise: Von Zittau nach Süden nach Jonsdorf fahren und dort auf den kostenpflichtigen Parkplatz (Großschönauer Str. 43, 02796 Jonsdorf).

Start und Ziel: Parkplatz -> Gasthof -> Parkplatz

Weg: Vom Parkplatz zum Hotel Gondelfahrt spazieren und weiter in Richtung der Felsformation, an der Weggabelung rechts einbiegen (dort befindet sich der Einstieg zu einem Klettersteig) und dem Weg folgend immer rechts haltend aufwärts. Um zum Aussichtspunkt zu gelangen, muss man das Areal des Berggasthofs betreten. Weiter nördlich gehen und wieder absteigen nach Jonsdorf.

Hinweise: Auf die Nonnenfelsen führt auch ein kurzer und einfacher Klettersteig (Ausrüstung erforderlich).


Weitere Informationen

Stand: 10.8.2020