Der Zentralmarkt Riga wurde aus Hangars für deutsche Kriegszeppeline gebaut

Im Ersten Weltkrieg dienten sie deutschen Zeppelinen als Hangar. Nach dem Krieg wurden die beiden Luftschiffhallen von der Stadt Riga gekauft und in den neuen Zentralmarkt eingebaut. Dort stehen sie bis heute.

Der Zentralmarkt ist einer der belebtesten Orte in der lettischen Hauptstadt Riga. Jeden Tag wird er von 80.000 bis 100.000 Menschen besucht. Entlang der 3000 Verkaufsstände drängen sich die Besucher – auf den Außenflächen und erst recht in den Gebäuden. Von außen fallen die fünf großen Hallen auf. Die Dächer spannen sich in luftiger Höhe in Bögen von einer Seite auf die andere. Dies ist kein Zufall. Sie waren einst Teil von Hangars, die für Luftschiffe errichtet worden waren.

Im Jahr 1922 hatte der Stadtrat beschlossen einen neuen Markt in der Nähe der Altstadt zu bauen. Ein internationaler Architektenwettbewerb wurde abgehalten. Der Leiter der Handelsabteilung des Stadtrats Klāvs Lorencs favorisierte den Vorschlag, dafür zwei existierende Luftschiffhallen wiederzuverwenden. Sie standen damals auf dem früheren deutschen Luftschiffhafen Wainoden (lettisch: Vainode) in Kurland (lettisch: Kurzeme), der im Ersten Weltkrieg genutzt wurde. Die Hallen „Walhalla“ und „Walter“ dienten Zeppelinen der Kaiserlichen Marine als Hangars.

Beide waren jeweils 37 Meter hoch, 47 Meter breit und 240 Meter lang. Allerdings hätten diese Abmessungen unterschiedliche Temperaturbereiche in dem neuen Markt mit sich gebracht. Gleichzeitig war unklar, wie die Hallen beheizt werden sollten. Daher wurde entschieden, nur die oberen Metallgerüste zu verwenden, indem man sie in mehrere Stahlbeton- und Mauerkonstruktionen einsetzte. Auf diese Weise entstanden die heutigen fünf Pavillons mit einer Höhe von 20 Metern und einer Breite von 35 Metern.

Als der Markt nach siebenjähriger Bauzeit 1930 eröffnet wurde, galt er als der größte und modernste in Europa. Für seine Zeit war er klar gegliedert, sauber und hell. Die Gebäude verfügten bereits über eine Zentralheizung und elektrisches Licht. Dazu kamen Bauelemente des Neoklassizismus und Art Deco. Unter den Pavillions befinden sich bis heute große Kellerflächen sowie drei Tunnel, die zum angrenzenden Flussufer der Düna führen.

Zur Zeit der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkriegs wurden zwei der Hallen als Reparaturwerkstätten für Fahrzeugmotoren verwendet. Nach dem Krieg – die baltischen Staaten gehörten zur Sowjetunion – wurde der Handelsplatz 1949 in Zentralkolchosmarkt (lettisch: Centrālais Kolhozu tirgus) umbenannt. Die Waren wurden in der Folgezeit von rund 60 Kolchosen, also landwirtschaftlichen Großbetrieben geliefert. 50.000 bis 70.000 Menschen Besucher kamen täglich.

Mit der Unabhängigkeit Lettlands erhielt der Zentralmarkt seinen alten Namen zurück. Im Jahr 1997 wurde er als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Der Markt, der sich inzwischen auf 72.300 Quadratmeter erstreckt, gilt als ein Wahrzeichen der Stadt. Dazu trägt wesentlich die eigenwillige und geschichtsträchtige Bauweise der fünf Markthallen bei.


Bewertung

Erlebnis: ★★★★☆

Atmosphäre: ★★★★★

Geschichtsfaktor: ★★★☆☆

Landschaft: ☆☆☆☆☆

Abgeschiedenheit: ☆☆☆☆☆

Abenteuer: ☆☆☆☆☆


Besichtigung

Strecke: nach eigenem Ermessen

Dauer: nach eigenem Ermessen

Kondition: keine

Schwierigkeit: keine

Gefahren: Taschendiebe

Beste Jahreszeit: immer, aber Öffnungszeiten beachten: 7-18 Uhr (Außenbereich), 8-17 Uhr (Innenbereich)



Wegbeschreibung

Anreise: Riga

Start und Ziel: z.B. vom Hauptbahnhof

Weg: Vom Hauptbahnhof wenige Gehminuten in südöstliche Richtung gehen. Der Markt ist unschwer zu erkennen.

Hinweise: Es werden Führungen angeboten.


Weitere Informationen

Stand: 25.7.2020

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